Romeo + Julia


Romeo, oh Romeo, wherefore art thou Romeo?

Diese Frage lässt sich eigentlich recht einfach beantworten: um eine der erfolgreichsten und zeitlosesten Liebestragödien der Geschichte zu schreiben. Letzteres beweist Baz Luhrmann mit seiner modernen Adaption des Shakespeares Klassikers. Luhrmann transferiert Originaldialoge der 400 Jahre alten Geschichte in ein Verona (Beach) der heutigen Zeit: Mit ganz viel “Mexican-Kitsch” weichen die Schwerter den .45ern, die Kutschen den Autos und die Flugblätter den Fernsehern.

Die Besetzung: Albern, Heiß und Cool

Eingeleitet wird die Geschichte durch einen Nachrichtensender, der die Rivalität der beiden Familien darstellt. Dies wird an einer Tankstelle weitergeführt, wo Anhänger der Capulets und Montagues einen Streit beginnen. Diese Szene ist dermaßen überzogen, dass vor allem der Montague Clan mehr als dämlich wirkt (ja ich musste mich ja schon fast fremdschämen). Nachdem diese Schmach überwunden ist, bekommt man Romeo zu Gesicht, der ganz schön süß daher kommt. Ist es doch kaum zu glauben, dass der gefolterte CIA Agent Roger Ferris aus „Der Mann der niemals lebte“ und Romeo von ein und derselben Person gespielt wird.

Zwar haben die Montagues den süßen Romeo in ihren Reihen, doch kommen sie längst nicht an die Coolness des Capulet Clan heran. Diese absolute Lässigkeit wird nur noch von Mercutio übertrumpft. Dabei hatte ich Mercutio erst auf den zweiten Blick als Harold Perrineau Jr. erkannt. Versuchte ich ihn doch zunächst irgendwo zwischen Chris Tucker und Martin Lawrence einzuordnen, für die ein solch transiger Auftritt wie auf dem Kostümball ja schon längst eine Paraderolle ist. Kannte ich Harold hauptsächlich nur als besorgten Vater Michael aus Lost und nicht als aufgedrehten Witzbold, wodurch er sofort zu meiner Lieblingsfigur in dem ganzen Drama wurde. Leider stirbt Mercutio viel zu früh durch die Hand von Tybalt Capulet. Da Mercutio der beste Freund von Romeo ist/war, rächt sich dieser mit der Ermordung von Tybalt und wird schließlich für dieses Verbrechen verbannt.

Kommunikationsprobleme

Nach Romeos Verbannung fängt die Adaption ins Moderne leider an defektisch zu werden. Denn Romeos Exil ist ein Trailer Park. Dies ist sicherlich eine große Umstellung des Lebensstandards gegenüber einer schmucken Villa, aber trotzdem nicht weiterhin dramatisch. Und als dann auch noch Vater Laurence vergebens versucht Romeo via Eilbrief zu kontaktieren, um ihm mitzuteilen, dass Julia nicht Tod sondern nur betäubt ist, zweifelt man Stark an der Intelligenz der Figuren. Immerhin schaffte es Romeos Diener Balthasar ja auch Romeo mit dem Auto zu besuchen und ihn persönlich über Julias Tod aufzuklären. Aber gut, da muss man wohl einfach einen Film einen Film sein lassen.

Liebe für die Ewigkeit‽

Das Ende wurde wiederum wunderschön umgesetzt. Die Gruft, wo Julia liegt, sieht atemberaubend aus. Dekoriert mit Leuchtkreuzen und Kerzen wird das unumgängliche dramatische Finale eingeläutet. Julia bringt sich um, doch ersticht sie sich nicht, sondern erschießt sich. Auch wenn man von Anfang an schon weiß wie die Geschichte von Romeo und Julia endet, muss ich mich doch jedesmal bei der Schlussszene ärgern. Egal ob gelesen, gesehen, oder einfach nur drüber nachgedacht: Es wäre doch so ein schönes Liebespaar für die Ewigkeit gewesen…
Am Ende bleibt nur noch die Frage offen, wie wohl die nächste Interpretation von Shakespeares Romeo und Julia aussehen wird. Vielleicht eine Sci-Fi Tragödie?  Wichtig ist nur, dass egal wie, diese Geschichte für weitere 400 Jahre erhalten bleibt.

(Noch ein kleiner Tipp:)

Auf dem Ball muss man unbedingt auf die dummen Gesichter von Paris (gespielt von Paul Rudd) achten, von denen ich einen unerwarteten Lachkrampf bekam. Zusätzlich kommt bei ihm noch die Frage auf, ober er in seinem Astronautenkostüm einfach nur als simpler Astronaut geht, oder als Ben Affleck in Armageddon. Die Ähnlichkeit zwischen den Beiden ist wirklich verblüffend: Der Vergleich.


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