Shutter Island


Man nehme ein Buch von Dennis Lehane und ein eingespieltes Regie-Schauspiel-Duo, baut den Naziinhalt dieser Geschichte aus, verfilmt das Ganze mit 80 Millionen Dollar, und heraus kommt der ausgeklügelte Psychothriller “Shutter Island”:

Die Story: In den 50ern untersuchen U.S. Marshall Edward Daniels (Leonardo DiCaprio) und sein Partner Chuck (Mark Ruffalo) das Verschwinden einer Insassin des psychiatrischen Gefängnisses auf Shutter Island. Die Insel Shutter Island besteht nur aus dieser Einrichtung für geistesgestörte Schwerverbrecher, und nimmt diejenigen auf, für die in Gefängnissen der normalen Gesellschaft kein Platz ist. Doch vermutet Edward, dass auf dieser Insel etwas nicht stimmt und macht sich auf die Suche nach Beweisen, die psychische Experimente mit den Gefangenen belegen…

Deutsches Erfolgsrezept?

Mit mehr als dramatischer Paukenmusik gelangt Edward mit seinem Partner auf die Insel. Schon bald erfährt man, dass Edward an der Befreiung des KZ Dachau mitwirkte. Diese KZ Befreiung trägt inhaltlich kaum was zu dem Plot bei. Im Buch wird dieses Ereignis daher nur in einem kurzen Absatz erwähnt (laut diversen Quellen. Ich lese keine Bücher, deshalb schaue ich ja Filme). Martin Scorsese wollte sich damit wohl eine Oscar Nominierung sichern. Denn nach dem internationalen Erfolg zu “Der Baader Meinhoff Komplex” und “Die Anderen”, oder den vielen Oscar Nominierungen von “Der Vorleser”, sowie “Inglourious Basterds”, scheint die Thematisierung von Deutscher Geschichte ein Erfolgsrezept zu sein.

Ein Film von Deketive für Detektive

Erfolgreich ist jetzt schon die Umsetzung der Story. Als ob auf der Insel nicht schon genug Verrückte wären, führt Scorsese auch noch die Zuschauer in die Irre. Doch seit “The Sixth Sense” plagt mich die Angewohnheit, Filme nach ihren möglichen Endauflösungen zu analysieren. So kam mir schon direkt nach dem Trailer die Vermutung, dass Edward selbst auf Shutter Island ein Patient ist.
Dennoch habe ich diese Version im Laufe des Filmes wieder verworfen, da ich mir u.a. keine Erklärung für die Schiffahrt mit seinem Partner auf die Insel zusammenreimen konnte. Aber immerhin hatte ich am Ende dann doch die Freude, dass ich es ja eigentlich gewusst hatte; zumindestens wenn es nach der Erklärung des psychiatrischen Leiter Dr. Cawley (Ben Kingsley) geht. Denn gerade dann, wenn man sich auf der sicheren Seite mit einer befriedigenden und logischen Auflösung befindet, zerschmettert Edward im nächsten Moment diese mit seinen letzten Worten.
Mit einem riesengroßen Fragezeichen bleibt nun der Zuschauer zurück: Existierte Dr. Rachel Solando (Emily Mortimer) vielleicht doch wirklich und Edward bekam seine Psychose nur eingeredet, oder war seine Psychose echt. Aber wenn sie echt war, war dann sein Rückfall echt, oder spielte Edward es nur vor, um seinem Wahnsinn endgültig zu entfliehen? Selten wird man mit so viel Ungewissheit nach einem Film zurückgelassen. Gibt es im Buch eine eindeutige Aufklärung oder hat jemand zufällig die Telefonnummer von Scorsese? Wenn ja, dann bitte melden.

Altbewährtes zahlt sich aus

Zum 4. Mal traf Schauspieler Leonardo DiCaprio auf Regisseur Martin Scorsese. Da Scorsese seit “Gangs of New York” nur noch DiCaprio Filme drehte (“Aviator”, “The Departed”), wird es wohl auch in Zukunft mehr von diesem Duo zu sehen geben. Ich freue mich drauf! Denn unter Scorseses Leitung erzeugte DiCaprios Schauspiel mal wieder Gänsehaut, sodass ich ihm die Daumen für den Oscar im nächsten Jahr drücke, der ja schon längst überfällig ist.
Stilistisch greift Scorsese auf die große Ära des “Film Noir” zurück. Die manchmal simpel wirkenden visuellen Effekte lagen nicht an mangelnden Gelder wegen DiCaprios Gage, sondern waren gewollt eine Hommage an die 40er- und 50er- Jahre Krimis.

Fazit: Besser zwei Mal hinsehen

Scorsese investierte viel Liebe zum Detail in “Shutter Island”, der sich mit viel Tamtam und etwas zu wenig Psycho im Thriller zu einer Irrfahrt der Sinne entwickelt und mit einem noch größeren Paukenschlag endet, als er begonnen hat. Dank der vielen cineastischen Leckereien lohnt es sich auch noch einen zweiten Blick zu riskieren.


« »

Erst ein Kommentar

Gebe einen Kommentar ab!

Angezeigt werden nur Name, Homepage und die Nachricht. Alle Felder außer Homepage sind Pflicht.

Followe Nachos and Wine auf Twitter Abonniere den News-Feed Poste auf FacebookPoste auf del.icio.usPoste auf stumbleuponPoste auf digg