Death Proof

Grindhouse: ein kleines, schäbiges amerikanisches Kino der 60er/ 70er, das vor allem B-Movies zeigt. Oftmals auch zwei in einer Vorstellung als so genanntes Double Feature.

Aus eins mach zwei!

Das Double Feature “Grindhouse” bestehend aus Robert Rodriguez “Planet Terror” und Quentin Tarantinos “Death Proof” wurde irgendwie nicht so ganz vom Publikum in den USA verstanden. Der Kinosaal wurde teilweise schon nach dem ersten Film “Planet Terror” verlassen, dachte man, der Film sei vorbei. Wegen der schlechten Einspielergebnisse, entschied man sich für Europa das Double Feature in seine Einzelteile zu zerlegen – Hätte man außerhalb von Amerika ja sowieso keinen historischen Bezug zu den grindigen Kinos gehabt. Immerhin, so wurden aus einem Film “Grindhouse”, gleich zwei wunderbare Einzelfilme “Planet Terror” und “Death Proof”. Die Story von “Death Proof” ist simpel: Stuntman Mike (Kurt Russel) tötet mit seinem verstärkten, todsicheren Auto – “death proof” eben – junge Frauen. Dabei ist der Film in zwei Episoden geteilt.

Im ersten Teil hat es der Stuntman der alten Schule, der seine eventuelle Karriere schon längst hinter sich hat, auf eine Gruppe von drei Mädels abgesehen. Sie feiern ausgelassen in einer Bar in Austin (Texas), unter ihnen ist das Radio Starlet Julia Jungle. In ihrer Radioshow versprach sie einen Lapdance von ihrer Freundin Butterfly, für denjenigen der als Erster: 1. Butterfly mit ihrem Namen anspricht, 2. Ihr einen Drink ausgibt, und 3. eine Passage des Gedichts “Stopping by Woods on a snowy Evening” von Robert Frost zitiert. Stuntman Mike beobachtet die Mädchen, scheint sympathisch, trinkt nur Unalkoholisches. Er ist derjenige, der den Lapdance von Butterfly als Erster und Einziger einfordert.

Kein Vorspiel ohne Nachspiel

Butterflys Lapdance kann musikalisch (The Coasters mit “Down in Mexico”), sowie optisch (Vanessa Ferlito) ohne Zweifel mit der Tanzszene von Salma Hayek zu “After Dark” in Rodriguez “From Dusk till Dawn” mithalten. Meiner Meinung nach gewinnt sogar Ferlito vs. Hayek, trotz mehr Kleidung und Flip Flops. Doch der heiße Lap Dance ist erst das Vorspiel. Denn als die angeheiterten Damen die Bar verlassen, fängt – nach den vielen Dialogen – die eigentliche Action an. Stuntman Mikes todsicheres Auto kommt zum Einsatz. Und der Tod ist definitiv sicher! Zuerst erledigt er seine zuvor erworbene Mitfahrerin mit einer Vollbremsung und fährt anschließend Jungle Julia und ihre Entourage samt deren Auto über den Haufen. Doch so rasant die Action angefahren ist, fährt sie auch wieder vorbei. Denn nach diesem spektakulären Frontalaufprall beginnt die 2. Hälfte, 14 Monate später, wieder mit reichlich Dialogen.

Im zweiten Teil hat es Stuntman Mike in Tennessee auf vier Freundinnen abgesehen. Alle sind im Film-Business tätig, unter ihnen zwei Stuntfrauen. Eine von ihnen ist Zoë Bell. Die knallharte Stuntfrau doubelte schon Uma Thurman in “Kill Bill” und spielt sich in diesem Tarantino selbst. Praktisch, wenn eine der Hauptfiguren die gefährlichen Stunts gleich selbst machen kann.
Die Dialoge nehmen zunächst wieder überhand. Doch lässt die Action diesmal nicht so lange auf sich warten. Denn Zoë will unbedingt Schiffsmast auf einem weißen 1970er Dodge Challenger spielen, dem gleichen Modell wie aus “Fluchtpunkt San Francisco”. So ist es auch kein Zufall, dass die darauf folgende Verfolgungsjagd, zwischen den Mädels (immer noch mit Zoë auf der Motorhaube) und Stuntman Mike, sehr an die Verfolgungsjagden des Roadmovie-Klassikers erinnert.
Zunächst werden die Freundinnen gejagt, doch dreht sich der Wind. Die Mädels haben sich Vergeltung auf die Fahnen geschrieben und Stuntman Mike wird nun zum jammernden Gejagten der als psychisches und physisches Wrack auf der Strecke bleibt. Die ordentliche Abreibung am Ende ist eine richtige Genugtuung, denn so langsam hatte man echt die Schnauze voll von dem Möchtegern-Coolen Stuntman.

Viel Tarantino in einem Tarantino

Filmfans kommen bei “Death Proof” voll auf ihre Kosten. Neben einem generellen “Russ Meyer”-Flair wird immer wieder Bezug zu Filmen genommen, inklusive Tarantinos eigener Werke. So ist zum Beispiel der Klingelton der Protagonistin Lee “Twisted Nerves” aus “Kill Bill” und die Jukebox im “Texas Chili Parlor” enthält den Song “Misirlou”, dem Theme von “Pulp Fiction”. Achja, natürlich hat der Meister auch einen Cameo-Auftritt – mal wieder.

Kein Grindhouse, aber gut!

Mit Death Proof hat Tarantino ein “Sex and the City” mit Blut und Action geschaffen. Doch lässt der offensichtliche Fußfetischist gleich die High Heels weg, tauscht die Designerkleidung durch schicke Autos und anstatt auf der 5th Avenue wird auf idyllischen Landstraßen mit Höchsttempo flaniert. Das viele “Mädchengerede” bleibt jedoch, was dem einen oder anderen Kerl abschrecken könnte; trotz heißen Mädels, schnellen Muscle Cars, und einer rasanten Verfolgungsjagd. Mir hat gerade die Mischung aus den reichlich vorhandenen Dialogen, dem Soundtrack, und der mit sehr viel Liebe zum Detail dargestellten Gewalttätigkeit – Tarantino eben – sehr gut gefallen.
Auch wenn die Hommage an die alten Grindhouse-Kinos nicht verstanden wurde, so bleibt noch ein Quent(in)chen Hoffnung, dass “Death Proof” als Einzelfilm zur Würdigung der B-Movies Beachtung findet. Meine hat er jedenfalls schon!


« »

2 Kommentare

Gebe einen Kommentar ab!

Angezeigt werden nur Name, Homepage und die Nachricht. Alle Felder außer Homepage sind Pflicht.

Followe Nachos and Wine auf Twitter Abonniere den News-Feed Poste auf FacebookPoste auf del.icio.usPoste auf stumbleuponPoste auf digg