Freaks

Lang, lang ist’s her, dass ich “Freaks” (1932) das erste Mal gesehen habe. Damals noch auf grieseliger VHS und kaum der englischen Sprache mächtig, brannte sich dieser Film in mein Gedächtnis. Denn Tod Brownings schwarz-weiß Horrorklassiker von 1932 hat es in sich, sodass man nach den 64 Minuten mit einem Gänsehautgefühl zurückbleibt.

Liebe, Eifersucht, Intrigen und Rache

Damit müssen sich die Artisten einer Sideshow auseinandersetzen (Sideshow: ein kleineres Zusatzprogramm von einem Zirkus oder Jahrmarkt).  Der kleinwüchsige Hans (gespielt von Harry Earles) aus der Kuriositätenvorstellung ist trotz seiner Verlobung, mit der ebenfalls kleinwüchsigen Frieda, in die großartige Trapezkünstlerin Cleopatra verliebt. Dass diese sich über die “Freaks” der Sideshow lustig macht, erkennt er nicht. Zudem erfährt Cleopatra, dass Hans wohlhabend ist, und klügelt mit ihrem Geliebten Hercules, einen hinterlistigen Plan aus…

Cleopatra soll Hans heiraten, und ihn anschließend vergiften. Ersteres gelingt ihr zwar noch, doch überlebt Hans den Anschlag. Er kommt zur Vernunft und die “Freaks” verbünden sich gegen Cleopatra. Mit allen möglichen Waffen jagen sie Cleopatra und verstümmeln sie derart, dass sie selbst nur noch als “Freak” der Show zurückbleibt. Das Happy End wird schließlich noch mit der Zusammenkunft von Frieda und Hans abgerundet.

Abgestoßen

Tod Browning, der erst ein Jahr zuvor als Erster ‘Bram Stokers Dracula’ verfilmte, stieß damals mit seinem Meisterwerk auf wenig Begeisterung. Unter anderem wegen des mangelnden Wissens über die Genetik, wurden Behinderungen gesellschaftlich abgestoßen und dienten in Sideshows lediglich zur Unterhaltung und um zu Schockieren. Schade nur, dass bei all dem negativen Rummel knapp 30 Minuten Spielzeit gekürzt wurden, die bis heute als Verschwunden gelten.

Alles nur Humbug?

Neben diversen Zirkusvorstellungen waren auch Einzelausstellungen ein Teil von Sideshows. Am meisten Furore erzeugte dabei der Geschäftsmann und Entertainer P.T. Barnum im Jahre 1842 mit der Fidschi Meerjungfrau (auch Feejee oder Fiji Mermaid genannt). Nicht zuletzt wegen Barnums Talent für Marketing, ist die mumifizierte Meerjungfrau wohl die bekannteste Ausstellung einer Sideshow. Noch heute findet es in den Medien Referenz, in “Akte-X”, zum Beispiel, widmete man der Meerjungfrau die Folge “Humbug” und in “Haus der 1000 Leichen” gibt es eine Eigenkreation zu sehen. Doch entpuppte sich die erfolgreich vermarktete Meerjungfrau lediglich als ein halber Affe, angenäht an einen Fischkörper.

Die Darsteller in “Freaks” sind alles andere als ein Humbug. So gewährt Tod Browning, der selbst eine Zeit lang im Zirkus lebte, Einblicke in das private Leben der Protagonisten. Die Geschicklichkeit von Prince Randian, der als “lebender Torso” bekannt wurde, sticht dabei besonders heraus. Problemlos zündet er sich seine Zigarette an, trotz fehlender Gliedmaßen:

Die Moral…

Auch wenn die “Freak-Shows” ethisch nicht vertretbar waren, hatten damals jedoch so die Darsteller die Möglichkeit auf ein festes und oftmals gutes Einkommen. Einige erlangten dadurch Berühmtheit und konnten sich als Schauspieler beweisen. Der deutsche Harry Earles (geboren als Kurt Schneider) spielte schon an der Seite von “Dick und Doof” oder Judy Garland in “Der Zauberer von Oz”.

…von der Geschicht

Für “Freaks” musste Tod Brownings Karriere sehr leiden, was nicht umsonst bleiben sollte. Er erschuf einen Klassiker des Horrorgenres, der trotz der radikalen Kürzung einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dabei zeigt Browning vor allem und mit sehr viel Authentizität, dass die wahren “Freaks” nicht körperlich fehlgebildet sind, sondern geprägt von Gier und Hochmut.

(“Freaks” gibt es online und in voller Länge hier zu sehen.)


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