Iron Sky – Ein Drehtag

Wir schreiben das Jahr 2018. Die New Yorker Fußwege sind gefüllt mit Passanten. Mit den Blicken stets nach vorne gerichtet haben die Bewohner der Metropole keine Zeit sich um die Probleme Anderer zu kümmern. Wasserdampf steigt aus den Gullis empor, man hört Sirenen der New Yorker Polizei. In der gleichgültigen Menge sticht ein scheinbar Obdachloser hervor. Er hält ein Schild in seinen Händen – warnend. Es scheint ein gewöhnlicher Tag in New York City in der nahen Zukunft zu sein, bis plötzlich…!

Ungläubige Stille; es wird gestarrt, es wird gezeigt. Erst langsam realisieren es die Menschen. Die ersten Schreie erklingen, die Ersten flüchten. BOOOM – Eine Explosion. Staub und Schutt wird aufgewirbelt. Nun haben es auch die letzten Begriffen. In Panik bahnen sich die Menschen den Weg durch die stehen gelassenen Autos – jeder für sich, jeder ums Überleben. Ich bin einer von ihnen und wir alle haben Angst. Angst vor… “And cut, thank you guys”.

Einmal Statist sein

…vor den MOON-NAZIS, denn ich befinde mich am Set von “Iron Sky”. Zur Zeit wird in Frankfurt am Main für die Sci-Fi-Komödie mit viel schwarzem Humor gedreht und ich durfte einen Tag lang das Geschehen als Statist miterleben. “Iron Sky” ist das neue Projekt von “Star Wreck”-Regisseur Timo Vuorensola. Die Story: Nach der Niederlage der Nazis in 1945 fliehen sie auf die dunkle Seite des Mondes. In 2018 kehren sie zur Erde zurück, um die Weltherrschaft an sich zu reissen. Mit einem geringen Budget von 6.5 Millionen Euro suchen die Produzenten Hilfe von den Fans und integrieren diese bestmöglich in den Entwicklungsprozess. So wird nicht nur ein Ausgleich zu den geringen Geldmittel geschaffen, sondern auch Kultpotenzial! Daher verfolge ich auch schon seit längerem die Entwicklung der finnischen Produktion, und bin schließlich ihrem Ruf nach “Background Extras” gefolgt.

Unterschätztes (Auf)Treten

Zu den Hauptdarstellern in “Iron Sky” gehören Götz Otto, Julia Dietz und Christopher Kirby, wobei letztere Zwei auch beim Dreh am Sonntag dabei waren. Kurz nachdem wir am Nachmittag zur Anmeldung an der neuen Mainzer Straße antrafen, ging es dann auch schon los, Aufgabe: Passant. Eine einfache Aufgabe, so scheint es zumindest, denn die Statistengruppe wird nach einem ersten Gehversuch aufgefordert doch etwas schneller zu laufen. Schließlich befinden wir uns in New York, und nicht in Deutschland. Die eigentliche Szene läuft auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab. Die Hauptdarstellerin geht in ihrem adretten Uniförmchen auf den riesigen Chris Kirby los, der die Ankunft der Moon-Nazis prophezeit. Die Stunts wirken aufgesetzt und gekünstelt und irgendwie kauft man Julia Dietz die Rolle einer arischen Powerfrau nicht ab. Vielleicht ist aber auch genau dies der Plan? Doch will ich hier keine vorschnellen Urteile ziehen, denn die Bild-Qualität der Kameras sieht jedenfalls auf dem Monitor sogar schon im Rohformat unglaublich gut aus!

Rechts vor links

Als nächstes war die große Panikszene dran. Bevor die Hauptdarsteller wieder ins Bild kamen, wurde erst noch ein paar mal geprobt. Ums Leben rennen will schließlich geübt sein. Doch sobald das Kommando “Action” fiel, kam die Panik ganz von alleine. Das Setting und die ca. 50 rennenden und rempelnden Statisten haben es ziemlich einfach gemacht, sich in “so eine Situation” hineinzuversetzen. Dementsprechend gingen auch ein paar zu Fall, ernsthaft verletzt wurde aber zum Glück niemand. Die ganze Prozedur wurde dann mehrmals wiederholt. Mal mit etwas Schutt und Glas aus Styropor und Gelee; mal eher perplex und verunsichert, mal eher völlig panisch rennend und kreischend. Die Ansage “aber rennt euch nicht über den Haufen”, war nicht so einfach einzuhalten als sich jeweils die beiden Hälften der Gruppe an einem Punkt kreuzen sollten.

K-k-k-kalt

Mittlerweile ist es fast neun Uhr abends. Die Statisten werden mit Essen und Kaffee bei Laune gehalten. Christopher Kirby heizt die verfrorene Menge mit einem kurzen Freestyle ein. Der in der Einladung vorgeschlagene Idee á la New York im Business Outfit zu kommen zu folgen, war angesichts der Kälte keine so gute Idee, zumal ich mich für den Rock entschied. Rechnete ich doch – wie in der Einladung angekündigt – mit langen Wartezeiten, wofür man sich doch bitte Spielkarten oder ein Buch mitnehmen möchte. Und wenn sozusagen gesagt wird,dass ich Zeit habe um Karten zu spielen oder ein Buch zu lesen, gehe ich davon aus im Restaurant zu sitzen, wo auch der Statisten und Komparsen Stützpunkt war. Doch trotz der Eisbeine, war es mir so viel lieber, denn es wurden viel mehr Szenen mit uns Statisten gedreht als ich erwartet hatte.

Das Beste kommt zum Schluss

“We are now shooting the last scene”, heißt es langsam gen Mitternacht. Wir sind auf dem Times Square, blicken auf die großen Werbedisplays wo ein Präsidentschaftsrede ausgestrahlt wird. Jeder hat ein amerikanisches Fähnchen. Die Rede ist ergreifend – wird uns gesagt. Gleich wird Musik laufen und wir sollen an den für uns wichtigsten Menschen denken. Es herrscht absolute Stille, alle starren erwartungsvoll hoch. Die Musik beginnt zu spielen. Es ist “The Host of Seraphim”, mein Lieblingslied von “Dead can Dance”. In dem Moment, als der sirenenartige Gesang beginnt, erfasst eine Windböe den künstlichen New Yorker Nebel. Der “Star-Spangled Banner” weht im Wind. Wie in Trance starrt die Truppe auf die nicht existierenden Bildschirme. Lauscht den Worten der nicht existierenden Rede. Es ist mystisch – Gänsehaut. Der anschließende Auftrag zu Jubeln scheint sichtlich erschwert. Doch das Team scheint zufrieden, der Dreh ist vorbei.

Fazit: ein riesengroßes Dankeschön!

Was bleibt wenn man einen Tag lang von Moon-Nazis gejagt wurde sind unvergessliche Eindrücke, ein Dauergrinsen, blaue Flecken und Muskelkater, eine angehende Erkältung, und der nun nicht mehr widerlegbare Fakt: Offenbach liegt im Ausland.


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4 Kommentare

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