Cabaret

Berlin, 1931. Der englische Schriftsteller Brian Roberts (Michael York) lernt in einer heruntergekommenen Pension die amerikanische Sängerin Sally Bowles (Liza Minnelli) kennen. Sie tritt regelmäßig im Kit Kat Club auf und glänzt im Scheinwerferlicht mit erotischen Gesangs und Tanznummern. Durch ihren revueartigen Kabarett-Auftritt hat Sally viele Verehrer, einer von Ihnen ist Roberts. Während die Nazis an Macht gewinnen, entwickelt sich zwischen Sally und Brian eine romantische, allerdings nicht unkomplizierte Beziehung.

Willkommen, bienvenue, welcome. Im Cabaret, au Cabaret, to Cabaret!

Die Geschichte über Liebe und Macht wird in “Cabaret” auf groteske Weise im Kit Kat Club Episodenweise parodiert. Nach einer Passage über komplizierte Beziehungen folgt ein schriller Auftritt. Mittelpunkt von “Cabaret” ist das Verhältnis von Sally und Brian, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Brian führt ein normales Leben und hält sich mit Englisch-Nachhilfe über Wasser, während Sally von Geld und einem Karrieredurchbruch als Sängerin und Schauspielerin träumt. Als der reiche Baron Maximilian von Heune in ihr Leben tritt, scheinen ihre Träume in greifbare Nähe. Doch der Baron wird nicht nur von Sallys Luxuskörper wahnsinnig, sondern auch von Brians. Die konfuse Dreiecksbeziehung endet schließlich abrupt, als Sally schwanger wird. Brian will mit ihr das Kind großziehen doch sie entscheidet sich gegen ein normales Leben und treibt das Kind, über dessen Vater sie sich nicht sicher ist, ab. Am Bahnhof sichtet man Brian auf dem Weg zurück nach England.
Die beiläufige Liebesgeschichte von Fritz (Fritz Wepper) und Natalia verläuft weitaus positiver. Natalia stammt aus einer reichen jüdischen Familie und verliebt sich in den fritzlichen Christ. Eine langfristige Beziehung scheint somit unmöglich. Doch Fritz ist in Wirklichkeit Jude, der sich hinter dem Christentum versteckte. Die Hochzeit ist besiegelt und so scheint es auch mit ihrer Zukunft, denn die Unruhen in Deutschland werden größer. Während Brian und Sally an ihrer oberflächlichen und unehrlichen Beziehung zerbrachen, so kann man vermuten, dass Fritz und Natalia durch ihre aufrichtige Liebe als jüdisches Paar zu Grunde gehen.

Zwei mal Acht

“Cabaret” ist eine Verfilmung des gleichnamigen Broadway Musicals aus dem Jahre 1972. Das Musical wurde 1966 Uraufgehört und erhielt 1967 acht Tony Awards, u.a. als bestes Musical. Sechs Jahre später erhielt der Film “Cabaret” acht Academy Awards, u.a. “Beste Schauspielerin” für Liza Minelli. Auch der Regisseur Bob Fosse bekam den Oscar als bester Regisseur, der ebenfalls für die herausragenden Choreografien bei Cabaret verantwortlich war. Doch nicht nur Bob Fosse erlangte durch “Cabaret” seinen großen Durchbruch, sondern auch Liza wurde durch ihre Verkörperung der Sally Bowles weltweit bekannt.

Sally Bowles = Liza Minelli?

Das  Talent von Liza Minelli ist kein Zufall. Als Tochter der Oscar-prämierten Sängerin und Schauspielerin Judy Garland war es sicherlich nicht leicht an den weltweiten Erfolg ihrer Mutter anzuknüpfen. Bescherte Judy Garland immerhin einen der zauberhaftesten musikalischen Filmmomente in “Der Zauberer von Oz” mit dem Song “Somewhere over the rainbow“. Doch Liza nutzte ihr Talent und zählt noch heute zu einer der Erfolgreichsten in der Unterhaltungsbranche. Sie gehört zu den Wenigen, die alle vier wichtigen Preise der Unterhaltungsindustrie in Amerika gewonnen hat: Oscar, Emmy, Grammy und Tony Award.
Mit “Cabaret” gelang es Liza aus dem Schatten ihrer Mutter herauszutreten. Sie spielte die Rolle ihres Lebens wenn nicht sogar ihres eigenen Lebens. Denn der kurze schwarze Schopf ist nicht nur Sally Bowles Markenzeichen, sondern wurde auch zu Minellis. Sallys Lebensmotto “Life is a Cabaret” scheint Liza mit ihrem Verlangen nach Ruhm und Anerkennung ebenfalls zu teilen. Doch für das glamoröse Leben zahlte Liza ihren Preis: vielfach gescheiterte Ehen, Tabletten und Alkoholsucht. Bleibt nur zu hoffen, dass Liza nicht wie “Elsie” aus dem gesungenen Lied “Life is a Cabaret” enden möchte: “When I go, I’m going like Elsie”, scherzt Sally über den Tod ihrer alten Freundin während Andere über die Todesumstände Lästern: “Well, that’s what comes from to much pills and liquor.”

Der böse Faden

Neben Liza ist das Highlight in “Cabaret” ganz klar Joel Grey als “Conferencier”, der diese Rolle auch schon im ursprünglichen Musical besetzte. Wie eine teuflische Fratze zieht er sich als roter Faden des Bösen durch den Film, repräsentiert dabei die Gier nach Geld, Lust und Macht. Zu Beginn macht er klar “Leave your troubles outisde”, denn im Cabaret wo das Leben schön ist, dient die heranwachsene Macht der Nazis als belustigender Programminhalt. Und obwohl die Probleme eigentlich vor der Tür bleiben sollen, ist das Cabaret in der Schlusszene vollbesetzt mit Zuschauern in braunen Uniformen. Ungleich der pompösen Begrüßung fällt die Verabschiedung kurz aus, einer Kapitulation ähnelnd. Doch nach dem Sieg des Bösen scheint man ein hämisches Lächeln dem Conferencier ablesen zu können.

Fazit: Life is a Cabaret

“Cabaret” ist ein Klassiker und wohl eine der gelungensten Musical-Verfilmungen. Die eingängige Musik kombiniert mit den abstrusen Tänzen der auffällig geschminkten Cabaret-Girls entführt den Zuschauer erfolgreich zum sorglosen “Cabaret”. Die Energie im Film ist sicherlich nicht zuletzt auf Liza Minnelli zurückzuführen. Doch auch noch heute, fast 40 Jahre nach “Cabaret”, sieht man bei Lizas Auftritten das Feuer der aufgedrehten Sally Bowles in ihr lodern, ganz nach dem Lebensmotto ”Life is a Cabaret“.


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