Der Nebel

“Der Nebel” erweckte in mir große Vorfreude. Die Tatsache, dass die Geschichte auf einer Stephen King Erzählung beruht, klingt ja grundsätzlich schon mal vielversprechend. Hinzu kommt noch Frank Darabont, der für “Der Nebel” als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor tätig war. Er war schließlich auch an der hervorragenden Umsetzung von Kings “Die Verurteilten” und “The Green Mile” beteiligt. Auch der Trailer macht Lust auf mehr. Doch bekommt man bei “Der Nebel” leider nichts als heiße Luft zu sehen: Da wäre einmal ein unerklärlicher Nebel der ganz plötzlich kommt, worin Menschen verschwinden, oder auch nicht. Ein Supermarkt, gefüllt mit nervenden Protagonisten. Und… achso, das wars ja dann auch schon.

“Der Nebel”, beziehungsweise “Der Mist”

Die Übersetzung von dem englischen Titel “The Mist” in “Der Nebel” hätte man sich sparen können, denn der Original Titel beschreibt perfekt was man zu erwarten hat: absoluten Mist.

Langsam, …: Wir befinden uns nun in einem Supermarkt in der Kleinstadt Castle Rock, Maine. Eine Menschengruppe floh hierher vor einer plötzlichen Nebellawine. Es herrscht Angst und Unruhe. Ein Mann behauptet in dem Nebel sei etwas, und er soll Recht behalten. In einem Nebenraum trifft ein Teil der Gruppe zum ersten Mal auf ein Wesen aus dem Nebel, es hat krakenähnliche Fangarme. In dieser Szene fällt erstmal eine allgemeine Langsamkeit der Protagonisten auf. Nachdem fast Minutenlang ein schockierter Blick aufgelegt wurde, wird auf das ziemlich schlecht computeranimierte Wesen reagiert und eine Axt geholt. Diese Langsamkeit wird leider noch des Öfteren zu beobachten sein.

…idiotisch, …: Dann wäre da noch die vollkommene Verblödung der Charaktere. Bei Teenie-Horror-Filmen á la “Scream” ist ja eine gewisse Blödheit schon Grundaustattung des Genres. Wenn das Blondchen nicht vor lauter Unachtsamkeit stolpert, während der Killer hinter ihr her ist, ist man ja regelrecht enttäuscht. Doch wenn munter ein Stephen King Stempel auf einen Film gedrückt wird, dann sollte man doch eine gewisse Intelligenz erwarten können.
Dass dies nicht der Fall ist wird besonders deutlich in der Szene, wo der Supermarkt von den riesengroßen Insekten angegriffen wird. Nachdem die Monster eindeutig als Insekten identifiziert wurden, werden trotz der Anweisung des Hauptprotagonisten David Drayton (Thomas Jane) alle Lichter AUS zu machen, alle Lichter AN gemacht. Als dann die großen Archaeopteryx-ähnlichen Monster in den Supermarkt eingedrungen sind, werden diese mit Fackeln bekämpft. Dabei ist es natürlich nicht vorhersehbar, dass die fliegenden Wesen sich brennend in dem Supermarkt winden werden, und somit alles in Brand stecken. Übrigens, nun sind fast 5 Minuten vergangen, und die riesengroßen Scheinwerfer sind immer noch an. Die Supermarkt-Meute wird somit ein heißer Anwärter für den Darwin Award.

…nervend, …: Schon zu Beginn bei “Der Nebel” fällt gleich Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) auf, und zwar sehr unangenehm. Ihr unaufhörendes Gebrabbel über Gott und die Welt ist so unerträglich wie die ständigen Wiederholungen bei den Teletubbys. Von ihrer unsympathischen Art gibt es bei “Der Nebel” noch eine vielzahl mehr.  Man ist regelrecht erleichtert nachdem der eine oder andere Charakter ablebt, getrost nach dem Motto: “Dummheit wird bestraft”.

…und beschränkt.: Die Krönung des Ganzen ist die Erklärung für den Nebel von einem der im Supermarkt anwesenden Soldaten. Ich zitiere:
“[The scientiests] thought that there were other dimensions. You know, other worlds all around us, and they wanted to try to make a window, so they can look through and see what’s on the other side. [...] They must’ve ripped a hole through by accident. That’s how their world keeps on spilling through into ours.”
Sprich, DIE Wissenschaftler haben ein bisschen herumexperimentiert und ein Loch in ein Paralleluniversum gerissen – Oooops! Entschuldigt bitte, aber entweder ganz oder gar nicht. Den One-Liner hätte man sich getrost sparen können und somit dem Zuschauer eine weitere Peinlichkeit erspart.

Alles hat ein Ende… ,und “Der Mist” sogar ein Gutes!

Es ist zwar kaum zu glauben, doch wenn man die zwei Stunden der Idiotie durchgehalten hat, sich noch nicht seinen Kopf auf dem Tisch zerschlagen hat oder die Bierflasche gegen den Fernseher geworfen hat (ohne Alkohol erträgt man diesen Film wirklich nicht), bekommt man doch tatsächlich noch eine grandiose Schlussszene zu sehen, die in Sachen Dramaturgie neue Maßstäbe setzt. Durch eine musikalische Untermalung von Dead Can Dance mit “The Host of Seraphim” hat diese Szene absolute Gänsehaut-Garantie! Also erspart euch am besten die Farce, zubereitet aus einer nervenden Menschenmenge gefüllt in einem Supermarkt, dessen Gemüte sich von Wasserdampf so sehr erhitzen lässt, sodass es schließlich zum Überkochen kommt, und geht gleich zum köstlichen Höhepunkt des Filmes über:


(Man beachte die opulente Lichtaustattung des Trucks, ideal bei starkem Nebel.)

Und was soll nun der Mist?

Fazit ziehend wirkt es jedenfalls so, als hätte der Regisseur vor lauter Nebel seine Orientierung verloren. Warnt mich “Der Nebel” nun vor wissenschaftlichen Experimenten, oder vor der Zerbrechlichkeit der menschlichen Ordnung in Ausnahmezuständen? Soll ich nun in die Kirche rennen und Buße tun oder möchte der Film einfach nur Herbert Spencers “Survival of the fittest” bestätigen? Ach egal, ich mach erstmal alle Scheinwerfer an, dann Blick ich sicherlich besser durch!


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