Wall Street: Geld schläft nicht

Da ist gerade das schlimmste von der Finanzkrise überstanden, legt Oliver Stone gleich passend eine Fortsetzung zu seinem Klassiker “Wall Street” nach. Fast acht Jahre nachdem der Börsen Guru Gorden Gekko (Michael Douglas) sich ins Gefängnis spekulierte, ist er nun wieder auf freiem Fuß. Sichtlich gealtert, schreibt er nun Bücher und hält Vorlesungen – vorrübergehend. Denn schon bald erkort er erneut für die Realisierung seiner nicht ganz altruistischen Pläne einen ehrgeizigen Protégé namens Jake (Shia LaBeouf). Er ist der Freund von seiner Tochter Winnie (Carey Mulligan), mit der er kein gutes Verhältnis hat.

Na wenn sich da mal Stone diesmal nicht verkalkuliert hat…

Gorden Gekko, das Finanzgenie, das in den 80er durch Spekulation reich an Geld und Respekt geworden ist wird aus dem Gefängnis entlassen. Händereibend wartet der Zuschauer, dass sich Gorden erneut die Wall Street unter den Nagel reißt, doch vorgesetzt bekommt man ein gewöhnliches Familiendrama.

Die Story wurde vom ersten Teil aufgefrischt: aufstrebender Börsenmakler findet Mentor, es kommt zu zwischenmenschlichen Komplikationen und dann wird sich gerecht. Eine solide Basis, die beim ersten Teil sehr gut umgesetzt war. Bei der Fortsetzung hingegen vermischt man das ganze zu sehr mit familiären Problemen. Was besseres als einer Vater-Tochter-Komplikation ist da nicht eingefallen. Zusätzlich wird der Zuschauer auch noch grün gewaschen. Denn bei “Wall Street: Geld schläft nicht”, geht es gar nicht nur ums Geld! Nein! Denn der knuffige Jake will auch etwas Gutes für die Erde tun und ein nachhaltiges Projekt unterstützen. Das ist ja alles lobenswert, aber dafür ist in der Geld regierten Welt von Gekko nun mal wirklich kein Platz! Und als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, hat die ganze “du warst kein guter Vater”-, und “Rettet die Welt”-Geschichte auch noch ein Happy End. Während der erste Teil mit der Geradlinigkeit der 80er glänzte, glänzt der zweite nur noch vor Gefühlsschmalz.

Doch nicht nur die Storyline ist für ein “Finanz-Thriller” ungünstig gewählt, auch die Optik ist viel zu kitschig. Es scheint als hätte der Produktionsdesigner gerade erst die Rafinessen von visuellen Effekten kennengerlernt und sich mal ordentlich ausgetobt. Lauter leuchtende Dow Jones-Werte geben sich zwischen den New Yorker Hochhäusern ein Rennen mit Börsenkursen ab, wo selbst die neuen Lightcycles aus “Tron: Legacy” nicht mehr mithalten könnten. Seifenblasen hat er übrigens auch ziemlich gerne, die er metaphorisch so sehr überspannt, dass sie nach dem Platzen die ganze Geschichte nur noch mehr verkleben.

Die ausgewählten Darsteller brachten schließlich neben den Seifenblasen auch meinem Kragen zum Platzen. Einen aufstrebenden Wallstreet-Yuppie mit Shia LaBeouf und seinem Bubigesicht zu besetzen ist genauso glaubwürdig wie París Hílton in einem Debattierclub, deren Handtaschen-Hündchen dem chronischen Hundeblick von Carey Mulligan in nichts nachsteht und man am liebsten allesamt eine Plastiktüte über den Kopf ziehen möchte. Selbst den Cameo von Charlie Sheen als Bud Fox hätte man sich sparen können, der mit zwei Frauen im Arm doch nur sich selbst spielte. Ohne jeglichen Gefühlsaustausch wird kurz jene Airline erwähnt, durch die es zum Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Mentor Gorden Gekko kam. Man hätte stattdessen gleich eine Szene aus “Two and a Half Men” hineinschneiden können, um so die gesparte Gage in etwas Sinnvolleres als in die hohen Prozente des Alkohols zu investieren. Die hervorragende Leistung von Susan Sarandon und Michael Douglas konnten die gefallenen Darbietungen dann leider auch nicht mehr auffangen.

Wall Street: Geld schläft nicht – ich hingegen war kurz davor.

Wegen der Kombination aus dem filmischen Potenzial der Finanzkrise, dem grandiosen Michael Douglas und dem offenen Ende des ersten Teils, hatte man für diese Fortsetzung eigentlich einen Boom prognostiziert. Doch durch emotionale Banalitäten bringt “Wall Street: Geld schläft nicht” jegliche Hoffnungen auf ein erfolgreiches Comeback zum Zerplatzen und mich zum Gähnen. Bleibt nur zu hoffen dass Oliver Stone sich von diesem Crash schnell erholt.


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