I’m Still Here

Joaquin Phoenix wurde 1974 in Puerto Rico geboren und stand schon im jungen Alter von acht Jahren vor der Kamera. Drei seiner vier Geschwister (River (†1993), Rain und Summer Phoenix) waren ebenfalls schon im Bereich der Schauspielerei tätig. Letztere ist mit Casey Affleck verheiratet. Joaquin bekam in der Schauspielerei schnell Aufmerksamkeit durch seine Darstellung von meist komplizierten und düsteren Charakteren. Neben seiner ersten Oscar-Nominierung als “Best Supporting Actor 2000″ in “Gladiator” erhielt er vor allem großen Respekt in der Filmbranche für seine Darstellung von Johnny Cash in “Walk the Line”, wo er zwar nicht den Academy Award erhielt aber zum mindestens seinen ersten Golden Globe. Sein schauspielerischer Erfolg schien geebnet, um so schockierender und unglaubwürdiger die Nachricht, als er im Herbst 2008 verkündete, mit der Schauspielerei aufzuhören und sich nun dem Rap zu widmen.

Drogen, Alkohol, und viele Haare. Damit machte Joaquin seit seiner Bekanntmachung auf sich aufmerksam. Die wenigen Rap Auftritte machten schnell von sich Reden, doch nur im Negativen. “I’m still here” präsentiert diesen von ihm ungewohnten Lebensstil. Begleitet von einem Kamerateam und gespickt mit Privatvideos sowie Live-Auftritten erzählt “I’m still here” die tragische Geschichte vom gefeierten Schauspieler der zu einem heruntergekommenen Möchtegern-Rapper abstieg.

Genial oder Banal?

Wirklich, ist es so simpel? Ein Film im “Jackass”-Stil wo gesoffen und gekotzt wird, hat das Joaquin nötig? Nein. Denn “I’m still here” ist wohl einer der genialsten Streiche dem Hollywood gespielt wurde. Für zwei Jahre tauscht Joaquin seine Persönlichkeit in der Öffentlichkeit für eine Filmrolle und produziert mit seinem Schwager Casey Affleck ein Experiment über das Verhältnis zwischen Medien, Zuschauer und den Berühmtheiten.
Er verwahrlost, nimmt zu, stellt das Rasieren ein. Um ihm herum wird alles zur Kulisse. Freunde, Familie, Kollegen und die Medien. Vorallem die Medien, die über den Lebenswandel von Joaquin herzogen und ihm dermaßen viel Aufmerksamkeit schenkten, wie er es gar nicht erwartet hatte. Mit “I’m still here” bekamen sie ihre Abreibung. Zwei Jahre wurden sie an der Nase herumgeführt und begleiteten den Werdegang zum Rapper. Doch diesen Werdegang gab es nie, denn Joaquin spielte lediglich eine Rolle. Sein Leben wird zu einer Rolle. Er gibt nicht im Fernsehen vor, es sei echt, er lässt es echt werden und löst am Ende auf, dass alles nur Fake war.
Dadurch persifliert er all jene “Reality Shows” und vermeintlichen Dokumentationen, indem er die Medien selbst eine Mockumentary kreeieren lässt, ohne deren wissen. Nicht mal vor David Letterman schreckte Joaquin zurück um ihn in seinen Hoax mit einzubeziehen. Doch dies wäre ihm fast zum Verhängnis geworden. Denn Letterman hatte nach folgender Show schon eine Vermutung, wie er bei Joaquins Besuch nach dem Film preisgab.

Faszination oder Ekel?

Als ich “I’m still here” in der Sneak Preview sah, war ich zunächst verwirrt. Ist das nun eine echte Dokumentation, oder alles nur Fake? Konnte Joaquin wirklich so abgestürzt sein? Denn hier in Deutschland hatte ich leider nicht diesen großen Wind um seinen Sinneswandel mitbekommen. Selbst knapp ein Jahr nach der amerikanischen Premiere hörte man von seinem Schwindel nichts. Doch das hat im Moment des Sehens auch keinen Abwind getan, zu fasziniert war ich von der Vorstellung, dass es echt sein könnte, zu fasziniert von seiner schauspielerischen Leistung wenn es dies nicht war. Schon nach der ersten halben Stunde verließ ein Großteil den Kinosaal. Zu vulgär und primitiv. Doch ich wollte mir das Spektakel weiter ansehen, zu gebannt war ich von der Genialität oder von der Tragik.

Doc oder Mock?

Ist es eine Mockumentary, da sein vermeintlicher Sinnes und Interessenwandel ja nur alles gespielt war? Doch dieses Gespielte hat er innerhalb seines privaten Lebens aufgeführt, also ist es dann vielleicht doch eher eine Dokumentation wie er Hollywood verarscht? “I’m still here” verkauft sich jedenfalls als Parodie der “Reality Shows”, an denen nichts real ist. Doch letzendlich ist “I’m still here” auch nichts Anderes, als das was es zu kritisieren versucht: eine gespielte Parade die vorgibt, das echte Leben widerzugeben.


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