Super 8


“Super 8″ heißt die interessante Kollaboration von Steven Spielberg und J.J. Abrams. Das Science-Fiction-Drehbuch verfasste Abrams, der ebenso Regie führte und mit Spielberg und Bryan Burk an der Produktion beteiligt war. Schon seit einer gefühlten Ewigkeit kurbelt die Marketing-Maschine das Interesse zu “Super 8″ an. Vom ersten Trailer auf youtube über den Integrierten in Portal 2, zu einer viralen Filmsequenz, weckte “Super 8″ schon früh die Neugierde. Nun hat das Warten ein Ende und die aufgebaute Spannung kann sich seit dem 04. August 2011 entladen.

Die Story: Ende der 70er-Jahre ist eine Gruppe von Teenagern gerade dabei mit ihrer Super 8-Kamera einen Film zu drehen, als sie Zeuge eines schwerwiegenden Zugunglücks werden. Kurz darauf untersucht die US Air Force den Unglücksort, sammelt seltsame Würfel auf, und belagert das anliegende Dorf. Bald wird klar, dass dieser Zug keine gewöhnliche Fracht transportierte und die Teenager entdecken, dass ihre Kamera mehr aufgenommen hat, als sich jemals erahnen lies.

E.T. vs Cloverfield
In “Super 8″ trifft der Zuschauer auf ein bösartiges Alien, geschaffen von “Lost”-, und “Cloverfield”-Vater J.J. Abrams, und auf eine liebenswürdige Truppe von Teenies, die Detektiv spielen und nebenbei noch einen Zombiefilm drehen wollen. Die Einflüsse von Abrams und Spielberg sind ziemlich klar identifizierbar – Leider. Denn die mystische Story und das Kindergekreische ist zunächst eine ungewohnte Kombination. Man freundet sich zwar sehr schnell mit der sympathischen Teenietruppe an, doch das Abrams-Alien will irgendwie nicht so in die Kleinstadt-Idylle von Spielberg hineinpassen. Zu computerisiert wirkt das Alien und kann sich auch nicht durch einen starken blauen Farbfilter optisch in das 70er-Jahre Gesamtbild integrieren. Zwar wäre E.T. sicherlich über die technischen Rafinessen, mit dem das Alien versucht nach Hause zu telefonieren, begeistert,  doch etwas weniger wäre hier durchaus mehr gewesen.

Hätte nicht eigentlich…?

Obwohl der Film keinerlei Ansprüche erhebt überraschende Wendungen zu beinhalten, will das Ende nicht so ganz in die entwickelte Handlung passen:
Wir befinden uns in Joes Zimmer wo gerade Alice zu besuch ist. Die Aufmerksamkeit wird auf den seltsamen Würfel auf seinen Schreibtisch gelenkt. Plötzlich rotiert der Würfel und wird, wie magnetisch angezogen, durch die Wohnungswand geschleudert. Die Jugendlichen blicken durch das entstandene Loch in der Wand hinterher und schauen direkt auf den städtischen Wasserturm. Später erhält der Zuschauer einen genaueren Blick auf diesen Wasserturm, wo der Würfel eindeutig hängengeblieben ist.
Zum späteren Zeitpunkt wird Alice von dem Alien entführt und die restlichen Teenager machen sich auf die Suche nach ihr. Sie brechen in der örtlichen Schule ein und stoßen auf geheimes Material von dem Professor, der das Zugunglück verursacht hat: er war an geheimen Experimenten an dem Alien beteiligt und gibt auf einem Tonband preis, dass das Alien einfach nur sein Raumschiff mit diesen seltsamen Würfeln wider herstellen möchte und nach Hause will. Die Air Force entdeckt die Kinder und will sie festhalten, doch sie können fliehen. In der Innenstadt herrscht mittlerweile das reinste Chaos, denn Gewehre und Panzer der Air Force spielen verrückt und feuern ihre Munition quer durch die Gegend. Die Kinder rennen wild durch die Stadt auf der Suche nach Unterschlupf.

Meine bis hierhin gereifte Erwartung, wie der Film endet:
- Kinder rennen in das Elternhaus vom Jungen (Joe), und verstecken sich in seinem Kinderzimmer.
- Durch das Loch in der Wand (vom Würfel) scheint grelles Licht  und sie werden auf den Turm aufmerksam.
- Sie erkennen, dass der Würfel durch die magnetische Anziehung  sich im Turm verhakt haben muss.
- Sie holen den Würfel, suchen das Alien und drücken ihm den Würfel in die Hand.
- Das Alien hat das letzte Teil für sein Raumschiff und kann nach Hause.
- Alice ist gerettet, alle sind glücklich.

Stattdessen hat das Alien einfach nur einen riesen Magneten mit Hilfe des Wasserturmes und diversen Elektrogeräten der Bewohner gebaut. Nach den vermittelnden Worten von Joe “Bad things happen, but you can still live” beendet das Alien seine Rachelust an den Menschen, baut sein Raumschiff und fliegt nach Hause. “Loslassen” ist hier das Zauberwort. Zwar lässt auch Joe seine Vergangenheit, mit dem Loslassen der Kette seiner Mutter, hinter sich, doch für meinen Geschmack war dies für dieses Familien-Sci-Fi-Genre immernoch etwas zu unkitschig.

Das Beste kommt zum Schluss

Neben der Liebes-Nebengeschichte zwischen dem betrübten Joe, der kurz zuvor seine Mutter bei einem Autounfall verlor, und der begehrten Alice, dessen Vater an dem Unfall Schuld beiträgt, war eine witzige Rahmenhandlung der Dreh eines Zombiefilms. Konstant wurden die Low-Budget Dreharbeiten immer wieder aufgegriffen und die Teenager nutzten gekonnt die mysteriösen Geschehnisse im Ort aus um den “Production Value” zu steigern. Dieser Zombiefilm wurde von dem etwas pummeligen Charles (Riley Griffiths) initiert . Als junger Filmgeek wurde sein Charakter sicherlich stark von Spielbergs und Abrams eigener Jugend beeinflusst, die beide schon früh mit ersten Kurzfilmen experimentierten (Spielberg war gerade mal 12 als er seinen ersten 8 mm-Film drehte).
Die Geschichte von “Super 8″ kam mit dem Dreh dieses Zombiefilmes überhaupt erst ins Rollen und so war es sehr offensichtlich, dass nach den Credits der vollendete Zombiefilm von den Teenies gezeigt werden würde. Doch kaum ist das Schlussbild noch nicht mal richtig ausgeblendet, stehen schon die Ersten im Kino um zu den Ausgängen zu stürmen. Nach der Feststellung “da kommt ja noch was” bleibt man erstmal stehen, und stehen, und stehen… bis sich die hinteren Reihen mit fliegenden Popcorntüten bemerkbar machen müssen. An all diese Kinobesucher, die es immer wieder gibt: Setzt auch gefälligst! Bitte.

Super 8 = Super?

Die Kombination dieser zwei Namen hat im Prinzip nichts Neues hervorgebracht. Es war eher ein aufgewärmter Eintopf von E.T. und Cloverfield bespickt mit viel Action. Die viralen Clips entpuppten sich als harmloser Husten, da sie eigentlich einen packenden Mystery-Thriller statt einen Familienfilm erwarten liesen. Doch wenn man seinen Drang zur Filmprognose zurückschraubt, ist Super 8 ein gelungener Sci-Fi-Film für alle Altersklassen (FSK 12), mit einer schönen Geschichte, überzeugenden Kinderschauspielern und einer klaren Message: “Das Leben geht weiter”.


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