Der große Crash – Margin Call

“Der große Crash – Margin Call” (OT: Margin Call) spielt in den Anfängen der Finanzkrise von 2007-2010 und fokussiert sich auf die Hauptpersonen einer fiktiven Investmentbank, deren Handeln die Finanzwelt erschüttern sollte. Basierend auf dem Untergang der “Lehman Brothers” in September 2008, greift “Margin Call” die Ursachen des Börsenkrachs von 2008 auf und reflektiert die letzten 24 Stunden einer renommierten Investmentbank. Der Independent-Film kommt mit großem Staraufgebot daher und überzeugt mit klarer Struktur und einer schnörkellosen Erzählung. Deutscher Kinostart ist der 29. September 2011.

Die Story: In einer Investmentbank direkt an der Wall Street verlassen immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz mit ihren gepackten braunen Kisten. Unruhe macht sich unter den Mitarbeitern breit, denn jeder könnte der Nächste sein. Der Manager Sam Rogers (Kevin Spacey) ist den Tränen nahe – nicht wegen den Entlassungen, sein Hund liegt im Sterben. Schließlich wird auch der Seniorbanker Eric Dale (Stanley Tucci) aufgerufen. Bevor er das Gebäude mit seinen Habseligkeiten verlässt, übergibt er dem Nachwuchsbanker Peter Sulliven (Zachory Quinto) sein unfertiges Projekt. Peter kann seine Ausarbeitung vollenden und entdeckt etwas, was die Marktwirtschaft erschüttern wird. Doch die Investmentbank könnte die Schäden, auf eigenen Kosten, noch in Grenzen halten. Eine Entscheidung muss getroffen werden.

Die bessere “Wall Street”-Fortsetzung

“Margin Call” ist ein klinisch reiner Finanzthriller, ohne Klimawandel und ohne Vater-Tochter-Versöhungen. Debüt-Regisseur J.C. Chandor konzentriert sich fast ausschließlich auf ein Gebäude und auf einen Zeitrahmen von 24 Stunden. Vierundzwanzig Stunden, wo Chandor den Charakteren Zeit gibt sich zu entwickeln, sich zu beweisen, aber vorallem sich zu entscheiden. Denn nach diesen 24 Stunden muss nicht nur die Bank eine Entscheidung über die Zukunft der Märkte treffen, sondern jeder Einzelne muss für sich entscheiden auf welcher Seite er steht. Dabei leitet Chandor den Zuschauern den Weg bis hoch in die oberste Chefetage, wo Skrupel und Gewissen mit jeder weiteren Million auf dem Konto ein Stückchen mehr verringert wurden und wogegen Gordon Gekko in seiner Fortsetzung wie ein braves Schoßhündchen wirkt. Denn eines hat mittlerweile sogar Gordon gelernt: Gier ist nicht gut.

“I need the money”

Geld war es, was den eigentlichen Raketenwisschenschaftler Sullivan an die Wall Street lockte, und Geld ist es warum Sam Rogers willentlich seine Moral verwirft und das brachliegende Schiff auf Kosten des Marktes mitverkauft.  Schon längst haben sich die Charaktere – als Voraussetzung ihres Berufes – von der Außenwelt abgekapselt. Mit Kopfhöhrern kreieren sie ihre eigene akustische Umgebung und blicken lediglich mal von ihren Hochhäusern auf das neidische Volk herab. ”Margin Call” will nicht die Finanzkrise erklären und braucht auch kein Fachwissen darüber um verstanden zu werden. (Einen witzigen Crashkurs gibt es dennoch hier) Zwischen dem ganzen Börsen-Gerede prangert “Margin Call” fehlende menschliche Werte an der Wall Street an, sowie die unaufhörliche Gier, die schließlich zur Finanzkrise führte. Vom gemeinem Mitarbeiter der Investmentbank, der hier und da schon mal eine Millionen Dollar erwirtschaftete, bis hin zum Eigentümer John Tuld (Jeremy Irons), sind sich alle über die Konsequenzen der zu treffenden Entscheidung bewusst. Werden sie, durch hohe Boni gelockt, die Falsche treffen?

Fazit: Es geht wieder aufwärts!

“Margin Call” besticht mit seiner Geradlinigkeit, die nicht nur eine klaustrophobische Spannung erzeugt, sondern auch die Tragik der Protagonisten unterstützt. Mit der Kurzsichtigkeit der Führungskräfte von “Lehman Brothers” als Grundlage, appelliert “Margin Call” an mehr Menschlichkeit im Börsenwesen und zeigt mit ambivalenten und stereotypischen Charakteren zugleich auf, wie menschlich die Gier ist. “Margin Call” ist ein gelungener Trost zur Oliver Stones schwacher Verfilmung der jüngsten Finanzkrise und ist für jeden empfehlenswert, der bei “Money never sleeps” (fast) eingeschlafen ist.


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