The Fall

“The Fall” (2006)  ist nach “The Cell” (2000) der zweite Film von Regisseur Tarsem Singh. Bekam er überwiegend Aufmerksamkeit durch Videoclips für REM oder den Pepsi-Werbespot “We will rock you”, macht er sich mittlerweile auch in der Filmbranche einen Namen. Mit “The Fall” hat er ein wunderschönes Fantasy-Drama geschaffen, das vor Bildgewalt nur so strotzt.

Die Story: “The Fall” spielt in Los Angeles den 1920ern. Der Stuntman Roy Walker (Lee Pace) erzählt dem kleinem Mädchen Alexandria (Catinca Untaru) eine Geschichte über Rache. Beide liegen in einem Krankenhaus, er mit gebrochenen Beinen und sie mit einem gebrochenen Arm. Schon bald wird klar, dass beide einander brauchen. Die kleine Alexandria bekommt nicht genug von seinen Erzählungen über sechs Helden, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber ein Ziel gemein haben: Rache. Doch der deprimierte Roy erzählt die Geschichte nicht aus Mitleid für Alexandria.

Ein ungleiches Duo

Mit sehr viel Charme erzählt “The Fall” die rührende und faszinierende Geschichte von den zwei ungleichen Patienten. Ähnlich wie die sechs Helden aus Roys Geschichte, haben die Beiden auch nur eine Gemeinsamkeit: ihr Aufenthalt im Krankenhaus. Doch der Regisseur Tarsem Singh gewährt innerhalb der knapp zwei Stunden Laufzeit den Protagonisten viel Zeit eine tiefe Freundschaft aufzubauen. Gefesselt ans Bett, nutzt der verletzte Stuntman Roy aber zunächst das Interesse der kleinen Alexandria an seinen Erzählungen aus, um an Morphium zu gelangen. Gekonnt vernetzt dabei Roy reale Geschehnisse mit seiner Geschichte und erzeugt so eine atemberaubende Fantasie-Welt, die optisch einem Gemälde von Salvador Dalí oder René Magritte gleicht.

Scheherazade²

So ähnlich wie Scheherazade König Schahrayâr in der Geschichte “Tausendundeiner Nacht” beeinflusste, wirkt die kleine Alexandria auch auf Roy. Doch Alexandria nimmt nicht wie Sheherazade die Erzählungen vor, um so ihr Leben zu retten, sondern sie lässt Roy erzählen und schenkt ihm dadurch wieder neuen Lebenswillen. Interessanterweise wirkt Magrittes Darstellung Scheherazade wie eine visuelle Zusammenfassung von “The Fall” und weist starke Ähnlichkeiten mit dem Cover auf.

Frei von schädlichen Computeranimationen

Vieles in “The Fall” mag künstlich wirken, ist es aber nicht. Denn Natürlichkeit war Tarsem Singh bei “The Fall” sehr wichtig. Um echte Reaktionen und Gefühle von der damals 6-jährigen Catinca Untaru einzufangen, war ihr Text größtenteils improvisiert. Und um ihre Neugier stets auf die Geschichte zu steigern, blieb sie über den Verlauf der Geschichte in Unwissenheit. Die Mühe hat sich gelohnt, denn der Auftritt des kleinen Mädchens ist unglaublich bezaubernd.

Auch die Kulissen in “The Fall” sind natürlich. Für die atemberaubenden Drehorte reiste Singh und sein Team in mehr als 20 verschiedene Länder. Überwiegend wurde jedoch in Indien gedreht.

Für die schönsten Szenen in “The Fall” waren u.a. die bis 400 m hohen Sanddünen im “Deadvlei” im Namib-Naukluft National Park, die Sternwarte “Jantar Mantar” in Jaipur und der Treppenbrunnen Chand Baori in Abhaneri, Indien verantwortlich.

Fazit: Fantastisch

“The Fall” ist ein sympathisches Fantasy-Drama, dass wie ein Improvisationstheater im großen Hollywood-Stil wirkt. Ein Film für alle, die sich von berauschender Musik, kräftigen Farben, surrealen Bildern und einer märchenhaften Erzählung faszinieren lassen. Für Ende des Jahres ist Singhs dritter Film “Immortals” angekündigt. Wieder ein Fantasy-Drama, doch diesmal mit noch mehr Action.


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