Burlesque

“Burlesque” (2010) ist ein Musical-Film mit Cher und Film-Debütantin Christina Aguilera in den Hauptrollen. Regie führte Steve Antin, der auch das Drehbuch schrieb. Als Bruder von Robin Antin, der Gründerin der “Pussy Cat Dolls”, saß er an einer guten Quelle für provokante Choreographien. Kombiniert mit der Stimmengewalt von Frau Aguilera, bekommt der Zuschauer eine schillernde Show geboten.

Die Story: Alice Rose (Christina Aguilera) hat ihr langweiliges Leben in einer Kleinstadt satt. Sie entschließt sich, kurzerhand nach Los Angeles zu ziehen um eine Gesangskarriere zu starten. Viel Geld besitzt sie nicht und bei Castings bleibt sie erfolglos. Völlig frustriert riskiert sie schließlich einen Blick in den Club “Burlesque” und ist sofort angetan von den Performances der Tänzerinnen. Mit viel Hartnäckigkeit schafft sie es immerhin, sich ich als Kellnerin aufzuzwängen. Um ihren Traum als Sängerin zu erfüllen, muss sie nun nur noch die strenge Besitzerin Tess (Cher) von ihrem Talent überzeugen.

Hat das Mädel kein “Coyote Ugly” gesehen?

Die Geschichte von dem Kleinstadt-Mädchen, das in die Großstadt zieht um Karriere zu machen, und dann auch noch auf ihre große Liebe trifft, ist spätestens seit “Coyote Ugly” Jedem bekannt – Jedem, bis auf Alice. Denn wenn man von einer Kleinstadt in die Großstadt zieht um seine Träume zu verwirklichen, wird man natürlich ausgeraubt. Also verstecke bitte dein allerletztes restliches Geld nicht im Gefrierschrank! …und auch nicht im Toiletten-Spülkasten, wo jeder Einbrecher mindestens Drogen oder eine Waffe erwartet. Aber gut, mit “Burlesque” wollte man sicherlich nichts Einzigartiges schaffen.

Stil-Tease

Einzigartig sind auch nicht die Darbietungen im Burlesque. Ganz gleich ob die Anfangssequenz eine bewusste Hommage auf “Cabaret” sein sollte oder lediglich eine billige Kopie, das Konzept des burlesquen Tanzes ist ohnehin nichts Neues. Wurden in Burlesque-Shows ursprünglich Theaterstücke und Opern parodiert, erfreut sich seit Ende des 19. Jahrhunderts das Publikum am satirischen Striptease. Die Tänzerinnen erscheinen in grotesken Outfits, zelebrieren das Ausziehen eines Handschuhes als erotischen Höhepunkt, oder entledigen sich ihrer Kleidung im Varieté-Stil. Angefangen mit Lydia Thompson und ihren “British Blondes”, die mit ihren Auftritten als Männer für Empörung sorgten, über Gypsy Rose Lee die ab den 30er-Jahren mit ihrem literarischen Striptease begeisterte, zur unschuldigen 50er-Jahre Bondage Queen Bettie Page bis hin zu Dita Von Teese, durch sie der Burlesque-Tanz weltweit ein gefeiertes Comeback erlebte – Sie alle unterscheiden sich von ihren Strip-Club-Kolleginnen durch Stil, Witz und Klasse. Doch auch unter den unbekannteren Mitstreiterinnen findet man Burlesque-Perlen wie z.B. Ursula Martinez, die trotz ihrer derben Art das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert:

Burlesque oder nur Grotesk?

Burlesque: eine humorvolle theatralische Darstellung mit parodierenden und grotesken Elementen, die als zentrale Attraktion den Striptease präsentiert.

Als eine durchgestylte Hollywood-Produktion mit makellosen Tänzerinnen in Seemannskostümen hat der Film “Burlesque” anhand dieser Definition mit Burlesque nicht viel gemeinsam. Ein paar Federfächer hier, eine Bob-Frisur da, machen halt noch keinen Burlesque. Lediglich Cher hauchte etwas Groteskes dem Film ein, bzw. ins Mikrofon rein. Vor lauter Face Lifting ging nicht nur ihre Mimik flöten, sondern auch ihre gesamte Gestik. Die Tanzsequenz zu Beginn wurde somit zu einer ziemlich steifen Angelegenheit – allerdings sicherlich nicht für das männliche Publikum.

“Cabaret” trifft auf “Coyote Ugly”

“Burlesque” kommt mit seiner aufgewärmten Story ziemlich flach daher und kann nicht mit einer historischen Tiefe wie “Cabaret” dienen. Doch auch wenn sich “Burlesque” vielfach an dem Musical-Klassiker bediente, und vorallem Auftritte wie “Jungle Berlin” an sein Vorbild erinnern, sind die Bühnenauftritte trotzdem oder gerade deshalb sehenswert und unterhaltend. Unterhaltung ist schließlich das, was den Burlesque ausmacht. Auch wenn Aguilera nicht Minelli ist, Allan Cumming nicht the Conferencier, bietet “Burlesque” ausgefallene Kostüme und Tänze, sowie Musik mit Ohrwurm-Portenzial.


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