Perfect Sense

Zwei Menschen verlieben sich, verlieren sich, und finden sich – und das alles während sich die Menschheit durch eine Pandemie schrittweise dem gesellschaftlichen Abgrund nähert. Eva Green und Ewan McGregor spielen die Hauptrollen in dem von David Mackenzie inszinierten Drama “Perfect Sense “.

Die Story: In Glasgow wird die Epidemiologin Susan (Eva Green) in ein Krankenhaus zu Rate gezogen: ein Mann hat seinen Geruchssinn verloren. Eine Infektion oder ein Virus kann nicht festgestellt werden, doch es werden immer mehr Fälle über den Verlust des Geruchssinnes bekannt, dessen ein unkontrollierter Gefühlsausbruch vorausgeht – weltweit. Ratlos zieht sich Susan in ihre Wohnung zurück, wo sie den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) aus dem Edel-Restaurant von nebenan kennenlernt. Seit dem Krankheitsausbruch herrscht in seinem Restaurant gähnende Leere. Die Menschen haben Angst vor einer Ansteckung und der Geschmackssinn ist ohne Geruch ohnehin stark beeinträchtigt. Michael nutzt die Gelegenheit, um Susan zu einem Privatdinner in seiner Großküche zu überreden. Der Abend verläuft gut bis Susan plötzlich hemmungslos in Tränen ausbricht.

“Halb so schlimm”,

… gab es im Kino nach dem ersten Krankheitsstadium zu hören. Der Geruchssinn gehört im Vergleich zum Hören und Sehen sicherlich zu den weniger wichtigen Sinnen. Vorallem morgens in der überfüllten S-Bahn wünscht man sich so manchmal eine geruchsfreie Zeit. Doch Gerüche tragen einen Großen Teil zur Lebensqualität bei. Sie rufen bestimmte Emotionen und Erinnerungen hervor, lassen den Geschmack erst so richtig entfalten und warnen uns auch vor verfaulten und giftigen Nahrunsgmitteln.  Mehrere Tausend Gerüche kann der Mensch unterscheiden, ohne die das Leben doch um einiges Einfältiger wäre. Doch bei dem Verlust des Geruchssinnes soll es in “Perfect Sense” ohnehin nicht bleiben. Nach und nach verlieren die Menschen ihre Sinne, wodurch die Gesellschaft wie wir sie kennen ein Ende findet.

Von Hoffnung und Liebe

Doch ist es nicht der gesellschaftliche Untergang den “Perfect Sense” dokumentiert, sondern die Hoffnung die in diesem Szenario stets erhalten bleibt. Nach jedem Sinnesverlust lernen die Menschen mit der neuen Situation umzugehen, helfen einander,  strukturieren sich neu, und genießen weiter ihr Leben. Lebensgenuss ist in “Perfect Sense” ein wichtiges Motiv. So nimmt uns der Regisseur mit auf eine Reise der Sinne mit beeindruckenden Bildern und interessanten Klängen.
Der Zuschauer wird in den Krankheitsverlauf integriert und wird vom Beobachter zum Teilnehmer: Nach dem Verlust des Geruchs- und Geschmacksinnes ist man als Betrachter den Darstellern gleichgestellt und kann sich gefühlsmäßig auf die neue Situation mit all ihren Einschränkungen aber auch Möglichkeiten einlassen. Durch einen filmischen Fokus auf den Essensgenuss wird dem Zuschauer die neue Art des Genießens zugänglich gemacht, wo die Essenz in dem Klang, der Konsistenz und der Optik liegt. Mit dem Eintreten des Gehörverlustes verstummt sogar der komplette Film und der Zuschauer erfährt am eigenen Leib die Veränderung und die daraus verbleibende Faszination für das Sehen und Fühlen.
Der Zuschauer kann somit sehr emotional an dem Verlauf der Krankheit, aber vorallem an dem daraus resultierendem Prozess der Anpassung, teilnehmen. Das Chaos verbleibt stets im Hintergrund und hinterlässt Zuversicht auf eine weitere Existenz der Menschheit, egal wie diese Aussehen mag.

Hoffnungsträger sind in “Perfect Sense” Susan und Michael, deren Liebe dank dem perfekten Zusammenspiel von Green und McGregor verzaubert. Ihre Beziehung ist während dieser Apokalypse Mittelpunkt des Filmes, wordurch das Augenmerk stets in Glasgow bleibt. Die weltweiten Auswirkungen der Krankheit werden durch die Stimme der Hauptdarstellerin dokumentiert und zusammengefasst. Doch die schrecklichen Folgen der Krankheit werden in einer so märchenhaften Weise erzhählt, dass der optimistische Ton des Films zu keinem Zeitpunkt verstummt. Mit sehr viel Hoffnung und Liebe trotzt “Perfect Sense” dem apokalyptischen Genre und positioniert sich eher als klassisches Liebes-Drama, wo Liebe und Zusammenhalt alles überwinden können. Doch trotz dem “positiven Ende” blieb eine maßlose Niedergeschlagenheit: Was bleibt vom Menschsein, wenn nun auch noch der letzte Sinn verschwinden würde?

Die etwas andere Pandemie

“Perfect Sense” ist ein Film mit einem langen Nachklang der sich tief in den Gedanken verankert und neues Bewusstsein für die eigene Sinne schafft. Weniger wie ein Viren-Film, mehr wie ein märchenhaftes Liebesdrama, erzählt der Film die Geschichte eines gesellschaftlichen Untergangs, bei dem die Hoffnung für das Leben nie versiebt.


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