Drive

“Drive” (2010) ist ein retro-sytlisches Drama und basiert auf dem gleichnamigen Buch von James Sallis. Unter der Regie von Nicolas Winding Refn, der schon großes Ansehen durch seine “Pusher”-Trilogie erhielt, und dem Drehbuch von Hossein Amini, erfährt der Zuschauer eine Hommage an das 70er/ 80er-Jahre Kino.

Die Story: Tagsüber arbeitet Driver (Ryan Gosling) in einer Werkstatt und fährt gelegentlich als Stuntman ein paar Autos zu Schrott. Bei Nacht stellt er sein Fahrtaltent als Fluchtfahrer für verschiedene Kriminelle bereit. Im Gegensatz zu seinen aufregenden Aushilfsjob führt er ein gelangweiltes Leben. Er ist gerade in ein kleines Appartment gezogen, ist ein sehr stiller Charakter und wirkt schüchtern. Doch als er seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und deren Sohn kennenlernt, verknallt er sich kurzerhand in sie. Sein Leben scheint aufzublühen, bis Irenes Ehemann aus dem Gefängnis wiederkommt und die Familie in die Zielline von der Mafia gerät.

Mit Musik geht alles besser

Zum Filmbeginn sitzt der Zuschauer mit Driver im Auto. Er wurde von ein paar Ganoven als Fluchtfahrer angeheuert. Anzahl der Personen, Gewicht der Beute und der Zeitpunkt des Treffens dürfen auf keinen Fall von den verabredeten Konditionen abweichen. Driver ist ein Mann mit Prinzipien der alles bis ins genauste Detail für die Flucht geplant hat. Er fährt bei Nacht durch Los Angeles, die Ampeln und Reklamen wirken wie Neonlichter in der Dunkelheit. Die Anfangssequenz wirkt ein wenig so, als erwartet den Zuschauer eine GTA-Verfilmung. Mit Musik aus der Ambient, Synth und Europop Szene wird der Zuschauer in die Zeit von “Bullit”, “Taxi Driver” und “To live and die in LA” versetzt. Für den Titelsong “Nightcall” wurde Synthpop-Queen Lovefoxxx mit ins Boot geholt, die zu den Beats von Kavinsky auf die folgenden hundert Minuten einstimmt.

Der Wolf im Schafspelz

In “Drive” wird kaum gesprochen, die Bilder sprechen für sich. Doch die ruhige Liebesgeschichte zwischen Driver und Irene entwickelt sich langsam in einen actiongeladenen Heist-Film. Driver hat Irenes Ehemann zugesagt, ihm zu Helfen seine Schulden bei der Mafia zu begleichen damit er und seine Familie von der Mafia in Ruhe gelassen wird. Driver ist selbstlos und würde alles tun, um Irene und ihren Sohn glücklich zu wissen. Dies wird schließlich dazu führen, dass Drivers ruhiger Charakter umschlägt, als ein Killer auf Irene angesetzt wird. Der Wendepunkt von Naivität in Brutalität ist die Fahrstuhl-Szene, wo Driver und Irene sich zum ersten Mal küssen – ein Abschiedskuss. Die Lyrics von ”Nightcall” beschreiben sicherlich genau die Gefühle, die Irene im Fahrstuhl empfunden haben muss, als sie fassungslos das Massaker beobachtet: “There’s something inside you, It’s hard to explain”

Steckt ein Mörder in jedem von uns?

Einmal in Fahrt gekommen, gibt Driver so richtig Gas. Es werden Köpfe eingetreten und eingeschlagen, Pulsschlagadern aufgeschlitzt. Der Film entwickelt sich in eine Achterbahnfahrt von grotesker Brutalität. Der Blutrausch ist unterlegt mit wunderschöner Musik und insziniert wie eine Balletvorführung des Todes. Besonders interessant ist dabei Drivers Entwicklung: Vom verunsicherten jungen Mann, der nicht weiß mit seinen Gefühlen umzugehen, zum Rachelüsternen Profikiller, der angetrieben vom Beschützerinstinkt alles tut um Irene und ihren Sohn in Sicherheit zu wissen. Zum großen Showdown säubert er gruselig und statisch wie Michael Myers die Straßen von dem elenden Mafia Gesindel.

Stylisch, brutal, schön.

“Drive” ist mehr als ein Film über Verfolgungsjagden. Mit einer Charakterstudie über Driver wirft er die Frage auf, was hinter der Fassade eines Menschen stecken kann und wie weit man geht, um seine Liebsten zu beschützen.
Die Chemie zwischen Gosling und Culligan ist perfekt abgestimmt, die groteske Brutalität faszinierend und der Synth-Soundtrack hypnotisierend. Für manche war “Drive” zu langweilig, für Andere zu brutal, doch für die Meisten wird es ein empfehlenswerter Film sein, wenn sie ein Gesamtkunstwerk zu schätzen wissen.


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